Stiftung Warentest hat 17 zugelassene Medikamente zur Gewichtsabnahme untersucht. Abnehmspritzen wie Wegovy und Mounjaro können Menschen mit Adipositas beim Abnehmen unterstützen. Nach einer deutlichen Gewichtsreduktion stellen sich für einige Patientinnen und Patienten jedoch neue Fragen: Was passiert mit überschüssiger Haut? Was steckt hinter dem Begriff „Ozempic Face“? Und wann kann eine ästhetisch-plastische Behandlung sinnvoll sein?
Abnehmspritzen haben die Behandlung von Adipositas in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Medikamente wie Wegovy oder Mounjaro werden inzwischen häufig öffentlich diskutiert. In sozialen Netzwerken erscheinen sie teilweise sogar wie ein unkomplizierter Weg zur schnellen Gewichtsabnahme.
Eine aktuelle Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt jedoch, warum eine differenzierte Betrachtung wichtig ist. Die Verbraucherorganisation hat die Studienlage zu 17 in Deutschland zugelassenen Medikamenten zur Gewichtsabnahme ausgewertet. Berücksichtigt wurden Arzneimittel mit den Wirkstoffen Liraglutid, Orlistat, Semaglutid und Tirzepatid. Das Ergebnis fällt nicht einheitlich aus: Zwei Wirkstoffe kann Stiftung Warentest empfehlen, von zwei anderen rät die Organisation ab. Die vollständigen Bewertungen sind kostenpflichtig abrufbar.
Für Patientinnen und Patienten ist noch ein weiterer Aspekt relevant: Wer deutlich an Gewicht verliert, bemerkt möglicherweise Veränderungen an Haut und Körperkonturen. Das gilt grundsätzlich unabhängig davon, ob die Gewichtsabnahme durch eine Ernährungsumstellung, eine bariatrische Operation oder Medikamente unterstützt wurde. Bei einer schnellen oder starken Gewichtsabnahme können diese Veränderungen jedoch besonders sichtbar werden.
Abnehmspritzen sind keine Lifestyle-Produkte
Bei den häufig diskutierten Präparaten handelt es sich um verschreibungspflichtige Medikamente. Sie sind nicht für eine rein kosmetisch motivierte Gewichtsabnahme gedacht.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA weist ausdrücklich darauf hin, dass GLP-1-Rezeptoragonisten nicht zur Gewichtsabnahme bei Menschen eingesetzt werden sollen, die weder Adipositas noch Übergewicht mit gewichtsbedingten Gesundheitsproblemen haben. Die Behandlung gehört unter ärztliche Begleitung.
Dabei ist auch eine begriffliche Unterscheidung wichtig: Ozempic enthält den Wirkstoff Semaglutid, ist aber zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen. Wegovy enthält ebenfalls Semaglutid und ist unter bestimmten Voraussetzungen für das Gewichtsmanagement zugelassen. Saxenda enthält Liraglutid und wird ebenfalls für das Gewichtsmanagement eingesetzt. Mounjaro mit dem Wirkstoff Tirzepatid ist unter bestimmten Voraussetzungen sowohl für die Behandlung von Typ-2-Diabetes als auch für das Gewichtsmanagement zugelassen.
Die Präparate unterscheiden sich in ihrer Wirkweise und ihren Anwendungsgebieten. Eine Behandlung sollte deshalb nicht auf Basis von Social-Media-Trends oder einzelnen Erfahrungsberichten begonnen werden.
Wie wirken Medikamente wie Wegovy und Mounjaro?
Ein Teil der Medikamente ahmt die Wirkung des körpereigenen Hormons GLP-1 nach. Vereinfacht gesagt beeinflussen die Präparate unter anderem das Sättigungsgefühl und können dazu beitragen, dass Menschen weniger Nahrung aufnehmen. Tirzepatid, der Wirkstoff von Mounjaro, greift zusätzlich in einen weiteren hormonellen Signalweg ein.
Die Medikamente können wirksam sein. Sie sind jedoch keine beiläufigen Lifestyle-Produkte und nicht frei von Nebenwirkungen. Nach Angaben der EMA gehören insbesondere Beschwerden des Verdauungssystems zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen. Dazu zählen beispielsweise Übelkeit und Durchfall. Je nach Präparat können auch Erbrechen, Verstopfung oder Bauchschmerzen auftreten.
Welche Behandlung im Einzelfall medizinisch sinnvoll ist, muss ärztlich geklärt werden. Dieser Artikel kann eine individuelle Beratung nicht ersetzen.
Was bedeutet „Ozempic Face“?
Der Begriff „Ozempic Face“ wird inzwischen häufig verwendet. Er ist jedoch kein präziser medizinischer Fachbegriff und sollte nicht den Eindruck erwecken, dass ein bestimmtes Medikament automatisch das Gesicht verändert.
Gemeint sind sichtbare Veränderungen, die nach einer deutlichen Gewichtsabnahme auftreten können: Die Wangen wirken möglicherweise weniger gefüllt, an den Schläfen kann Volumen fehlen, Falten treten stärker hervor oder die Haut erscheint weniger straff. Vergleichbare Veränderungen können auch nach einer Gewichtsabnahme ohne Medikamente entstehen.
Aus dem Erscheinungsbild allein lässt sich deshalb nicht ableiten, ob eine bestimmte Behandlung die Ursache war. Entscheidend sind unter anderem das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Gewichtsabnahme, das Alter, die individuelle Hautbeschaffenheit und weitere persönliche Faktoren.
Das gilt auch für den manchmal verwendeten Begriff „Ozempic Body“. Er beschreibt keine eigenständige Erkrankung, sondern sichtbare Hautüberschüsse oder veränderte Körperkonturen nach einer deutlichen Gewichtsreduktion.
DGÄPC beobachtet mehr Beratungsbedarf nach starkem Gewichtsverlust
Dass das Thema auch in der ästhetisch-plastischen Chirurgie eine größere Rolle spielt, zeigt eine interne Mitgliederbefragung der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC).
Nach Angaben der Fachgesellschaft berichteten 64,7 Prozent der befragten Fachärztinnen und Fachärzte, dass vermehrt Patientinnen und Patienten nach einem starken Gewichtsverlust durch Abnehmspritzen in ihre Praxen kommen, um sich über Straffungsoperationen zu informieren.
Besonders häufig geht es laut DGÄPC um Bauchdeckenstraffungen und liftende Maßnahmen im Gesicht. Hautüberschüsse können aber auch an Oberarmen, Oberschenkeln oder der Brust auftreten.
Diese Zahl bedeutet nicht, dass die Mehrheit der Menschen nach einer Behandlung mit Abnehmspritzen einen operativen Eingriff benötigt. Die Befragung beschreibt vielmehr die Erfahrungen spezialisierter Fachärztinnen und Fachärzte in ihren Praxen. Menschen ohne Beschwerden oder Behandlungswunsch tauchen in einer solchen Erhebung naturgemäß nicht auf.
Warum zieht sich die Haut nicht immer vollständig zurück?
Die Haut ist elastisch, kann sich aber nicht unter allen Umständen vollständig an eine veränderte Körperform anpassen. Wie gut sie sich nach einer Gewichtsabnahme zurückbildet, ist individuell sehr verschieden.
Eine Rolle spielen unter anderem:
- das Ausmaß der Gewichtsabnahme,
- die Geschwindigkeit der Gewichtsreduktion,
- das Alter,
- die genetisch bedingte Hautelastizität,
- vorausgegangene Gewichtsschwankungen,
- Schwangerschaften,
- Rauchen und andere Lebensstilfaktoren.
Nicht jeder Hautüberschuss ist ausschließlich ein ästhetisches Thema. Ausgeprägte Hautfalten können beispielsweise zu Reibung, gereizten Hautstellen oder wiederkehrenden Entzündungen beitragen. In anderen Fällen empfinden Betroffene die Veränderungen vor allem als optisch störend.
Welche Behandlungen kommen infrage?
Ob überhaupt eine Behandlung sinnvoll ist, lässt sich nur nach einer persönlichen Untersuchung beurteilen. Nicht jede Veränderung muss behandelt werden. Und nicht jede Behandlung führt zu einem Ergebnis, das den individuellen Erwartungen entspricht.
Bei einem Volumenverlust im Gesicht können je nach Befund beispielsweise nichtoperative oder minimalinvasive Verfahren besprochen werden. Dazu zählen unter anderem Fillerbehandlungen oder eine Behandlung mit Eigenfett. Bei stärker ausgeprägter Hauterschlaffung kann in bestimmten Fällen auch eine operative Gesichts- oder Halsstraffung zur Diskussion stehen.
Bei deutlichen Hautüberschüssen am Körper kommen je nach betroffener Region unterschiedliche Straffungsoperationen infrage, beispielsweise:
- eine Bauchdeckenstraffung,
- eine Oberarmstraffung,
- eine Oberschenkelstraffung,
- eine Bruststraffung,
- ein Bodylift bei umfangreicheren Hautüberschüssen.
Welche Methode angemessen ist, hängt vom individuellen Befund, den gesundheitlichen Voraussetzungen und den realistischen Behandlungszielen ab. Eine seriöse Beratung sollte auch erklären, welche Narben bei einem Eingriff entstehen können, welche Risiken bestehen und welche Grenzen eine Behandlung hat.
Der richtige Zeitpunkt: Warum Geduld sinnvoll sein kann
Nach einer starken Gewichtsabnahme ist es meist sinnvoll, eine operative Straffung nicht vorschnell zu planen. Körpergewicht und Körperform können sich noch verändern. Größere Gewichtsschwankungen nach einer Operation können das Ergebnis beeinträchtigen.
Die American Society of Plastic Surgeons weist in einer Patienteninformation darauf hin, dass viele Operateurinnen und Operateure vor einer Straffungsoperation ein über mehrere Monate stabiles Gewicht empfehlen. Der geeignete Zeitpunkt muss jedoch individuell festgelegt werden.
Eine frühzeitige Beratung kann trotzdem sinnvoll sein. Sie hilft dabei, Möglichkeiten und Grenzen realistisch einzuordnen und eine spätere Entscheidung in Ruhe vorzubereiten.
Wichtig vor einer Operation: Medikamente offen ansprechen
Wer Wegovy, Mounjaro, Ozempic oder ein vergleichbares Medikament einnimmt und eine Operation oder eine Behandlung unter Narkose plant, sollte dies frühzeitig mitteilen. Das gilt für verschreibungspflichtige Medikamente ebenso wie für Nahrungsergänzungsmittel und andere Präparate.
GLP-1-Medikamente können die Magenentleerung verzögern. Das kann bei einer Narkose oder tiefen Sedierung relevant sein, weil Mageninhalt in die Atemwege gelangen kann. Wie mit der Medikation vor einem Eingriff umgegangen wird, muss individuell entschieden werden.
Eine pauschale Empfehlung, das Medikament für einen bestimmten Zeitraum eigenständig abzusetzen, wäre nicht angemessen. Neuere Empfehlungen mehrerer medizinischer Fachgesellschaften sehen vor, dass viele Patientinnen und Patienten ihre Medikamente vor einer Operation weiter einnehmen können. Bei erhöhtem Risiko können jedoch zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen sinnvoll sein. Dazu kann beispielsweise eine angepasste Ernährung vor dem Eingriff gehören.
Die konkrete Planung ist Aufgabe des behandelnden ärztlichen Teams. Dazu gehören die Operateurin oder der Operateur, die Anästhesistin oder der Anästhesist und gegebenenfalls die Ärztin oder der Arzt, die beziehungsweise der das Medikament verordnet hat.
Vorsicht vor unseriösen Angeboten und Medikamenten aus unsicheren Quellen
Die hohe Nachfrage nach Abnehmspritzen hat auch einen problematischen Markt entstehen lassen. Die EMA warnt vor illegalen oder gefälschten Produkten, die über unseriöse Websites oder soziale Netzwerke angeboten werden.
Medikamente sollten ausschließlich auf ärztliche Verordnung und über reguläre Apotheken bezogen werden. Wer Abnehmspritzen ohne Rezept im Internet bestellt, riskiert Produkte, deren Zusammensetzung, Qualität und Dosierung nicht verlässlich geprüft sind.
Auch bei ästhetischen Behandlungen ist Vorsicht sinnvoll. Pauschalangebote, Zeitdruck und garantierte Ergebnisse passen nicht zu einer seriösen medizinischen Beratung.
Arztwahl: Auf den geschützten Facharzttitel achten
Bezeichnungen wie „Schönheitschirurg“, „kosmetischer Chirurg“ oder „ästhetischer Chirurg“ sind keine geschützten Facharzttitel. Sie sagen allein nichts darüber aus, welche Aus- und Weiterbildung eine Ärztin oder ein Arzt absolviert hat.
Bei operativen Eingriffen sollten Patientinnen und Patienten auf den vollständigen Facharzttitel achten: „Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie“ beziehungsweise die weiterhin geführten vergleichbaren Bezeichnungen „Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie“ oder „Facharzt für Plastische Chirurgie“.
Vor einer Entscheidung sollten ausreichend Zeit für Fragen, eine verständliche Aufklärung über Risiken und eine realistische Einschätzung der erreichbaren Ergebnisse selbstverständlich sein. Bei größeren Eingriffen kann es sinnvoll sein, eine zweite ärztliche Meinung einzuholen.
Fazit: Gewichtsabnahme und ästhetische Behandlung getrennt betrachten
Abnehmspritzen können für Menschen mit Adipositas oder Übergewicht und bestimmten Begleiterkrankungen eine medizinisch sinnvolle Option sein. Sie sind jedoch keine Lifestyle-Produkte und sollten nur unter ärztlicher Begleitung eingesetzt werden.
Nach einer deutlichen Gewichtsabnahme können Hautüberschüsse oder Volumenverluste auftreten. Das ist nicht automatisch ein Grund für eine ästhetische Behandlung. Manche Veränderungen werden akzeptiert, andere stören die Betroffenen erheblich oder verursachen Beschwerden.
Wer eine Behandlung erwägt, sollte sich Zeit nehmen, das Gewicht möglichst stabilisieren und eine qualifizierte fachärztliche Beratung in Anspruch nehmen. Gute Medizin beginnt nicht mit einem Versprechen, sondern mit einer sorgfältigen individuellen Einschätzung.
Häufige Fragen zu Abnehmspritzen und Hautstraffung
Ist Ozempic dasselbe wie Wegovy?
Beide Medikamente enthalten den Wirkstoff Semaglutid. Sie haben jedoch unterschiedliche zugelassene Anwendungsgebiete. Ozempic ist zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen. Wegovy ist unter bestimmten Voraussetzungen für das Gewichtsmanagement zugelassen.
Bekommt jeder Mensch nach einer Abnehmspritze überschüssige Haut?
Nein. Ob sichtbare Hautüberschüsse entstehen, ist individuell verschieden. Eine Rolle spielen unter anderem das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Gewichtsabnahme sowie Alter und Hautelastizität.
Ist „Ozempic Face“ eine Nebenwirkung von Ozempic?
Der Begriff ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für sichtbare Veränderungen im Gesicht nach einer deutlichen Gewichtsabnahme. Vergleichbare Veränderungen können auch ohne Medikamente auftreten. Aus dem Erscheinungsbild allein lässt sich keine eindeutige Ursache ableiten.
Wann ist eine Hautstraffung nach dem Abnehmen möglich?
Der geeignete Zeitpunkt muss individuell festgelegt werden. Häufig wird empfohlen, zunächst ein möglichst stabiles Gewicht zu erreichen und dieses über mehrere Monate zu halten. Eine fachärztliche Beratung kann bereits früher sinnvoll sein.
Muss eine Abnehmspritze vor einer Operation abgesetzt werden?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Medikation sollte niemals eigenständig verändert werden. Das behandelnde ärztliche Team entscheidet individuell, welche Vorgehensweise vor einem Eingriff sicher und sinnvoll ist.
Quellen und weiterführende Informationen
- Stiftung Warentest: Schlankheitsmittel im Test
- Europäische Arzneimittel-Agentur: Hinweise zu GLP-1-Rezeptoragonisten
- DGÄPC: Statistik 2025 zur ästhetisch-plastischen Chirurgie
- American Society of Plastic Surgeons: Straffungsoperationen nach Gewichtsverlust
- American Society of Anesthesiologists: GLP-1-Medikamente vor Operationen
- DGPRÄC: Hinweise zur Wahl einer qualifizierten Fachärztin oder eines qualifizierten Facharztes

