Ästhetik-Lexikon: Trendbegriffe erklärt – eine Kolumne der DGÄPC
Gastautor: Dr. Florian Sandweg ist Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Inhaber der Praxisklinik Amosaro in Rosenheim und Sekretär der DGÄPC. Als langjähriges Vorstandsmitglied der Fachgesellschaft bringt er seine über 20-jährige Erfahrung in der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie sowie seine besondere Expertise in der Gesichts-, Brust- und Nasenchirurgie in die fachliche Aufklärungsarbeit ein.
Looksmaxxing bezeichnet den Versuch, das eigene Aussehen mit gezielten Maßnahmen maximal zu optimieren. Ob TikTok, Instagram oder Reddit: Der Begriff begegnet mittlerweile Millionen, überwiegend sehr jungen Menschen. Was ursprünglich in mehrheitlich männlich geprägten Online-Communities entstand, hat sich längst zu einem plattformübergreifenden Trend entwickelt. Schon lange vor dieser durch Social Media stark verbreiteten Beautybewegung beschäftigen sich auch viele junge Frauen mit sogenannten „Glow-ups“, Beauty-Hacks oder Strategien zur Optimierung ihres Aussehens, ohne den Begriff Looksmaxxing überhaupt zu kennen.
Der Wunsch, attraktiv zu wirken und sich im eigenen Körper wohlzufühlen, ist also keineswegs neu. Neu ist jedoch die Dynamik, mit der soziale Medien Schönheitsideale verbreiten und den Eindruck vermitteln, nahezu jedes Merkmal des Gesichts oder Körpers ließe sich gezielt verändern, oft durch vermeintlich einfache Tricks oder Selbstexperimente.
Was bedeutet Looksmaxxing?
Der Begriff Looksmaxxing (auch „Lookmaxxing“ geschrieben) setzt sich aus den englischen Wörtern looks (Aussehen) und maxxing (Maximierung) zusammen und beschreibt den Wunsch, das eigene äußere Erscheinungsbild maximal zu optimieren. Dahinter verbergen sich ganz unterschiedliche Maßnahmen: von gesunder Ernährung, Sport, Hautpflege und einem bewussten Lebensstil (Softmaxxing) bis hin zu invasiven Eingriffen oder sogar gefährlichen Methoden (Hardmaxxing).
Grundsätzlich ist der Wunsch nach einem gepflegten Äußeren weder ungewöhnlich noch problematisch. Kritisch wird es jedoch dort, wo unrealistische Schönheitsideale und der Einfluss sozialer Medien dazu führen, dass gesundheitliche Risiken in Kauf genommen werden oder vermeintliche „Lifehacks“ von teils noch sehr jungen und fachfremden Influencern aus dem Internet ärztliche Expertise ersetzen sollen.
Softmaxxing und Hardmaxxing: der Unterschied
Als problematisch ist das sogenannte Hardmaxxing, eine Unterkategorie des Looksmaxxing, zu sehen. Hier werden operative Eingriffe oder andere invasive Maßnahmen diskutiert und empfohlen, oftmals ohne medizinische Indikation und teilweise fernab jeder wissenschaftlichen Grundlage.
Softmaxxing hingegen umfasst die weniger invasiven Ansätze wie Ernährung, Bewegung, Schlaf und Hautpflege. Diese Maßnahmen sind in der Regel unbedenklich und können das Wohlbefinden tatsächlich fördern, solange sie nicht in zwanghaftes Verhalten umschlagen.
Wenn Selbstoptimierung gefährlich wird
Besonders besorgniserregend sind die extremen Ausprägungen dieses Trends. In sozialen Netzwerken kursieren immer wieder Anleitungen, mit denen sich Nutzer vermeintlich selbst „optimieren“ sollen. Dazu gehören beispielsweise das sogenannte Bonesmashing, bei dem durch wiederholte Schläge mit harten Gegenständen auf Gesichtsknochen deren Form verändert werden soll, oder Mewing, bei dem eine bestimmte Zungenhaltung angeblich den Kiefer dauerhaft modellieren könne. Für diese Methoden existiert keine wissenschaftliche Evidenz. Stattdessen drohen erhebliche gesundheitliche Schäden, von Prellungen und Gesichtsfrakturen über Nervenschädigungen bis hin zu dauerhaften Fehlstellungen.
Auch vermeintlich eher harmlos wirkende Tipps aus sozialen Medien bergen Risiken. Nicht selten werden hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel, Hormonpräparate oder nicht zugelassene Substanzen empfohlen, deren Nutzen wissenschaftlich nicht belegt ist und deren Nebenwirkungen ohne fachärztliche Begleitung erheblich sein können.
Der Einfluss von Filtern und künstlicher Intelligenz
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der auf mittlerweile sehr viele Inhalte in den sozialen Medien zutrifft: Viele der gezeigten Ideale basieren auf Filtern, Bildbearbeitung oder künstlicher Intelligenz und haben mit realistischen menschlichen Proportionen wenig zu tun. Gerade junge Menschen entwickeln dadurch mitunter unrealistische Erwartungen an ihr eigenes Aussehen. Der Übergang zwischen einem normalen Wunsch nach Attraktivität und einem belastenden Schönheitsdruck kann fließend sein. Die Folge kann ein gestörtes Selbstbild sein, das bis hin zur Dysmorphophobie (körperdysmorphen Störung) reichen kann.
Die Einordnung aus fachärztlicher Sicht
Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) gilt deshalb: Ästhetische Medizin und Plastisch-Ästhetische Chirurgie können das Wohlbefinden und die Lebensqualität verbessern, vorausgesetzt, sie erfolgen nach sorgfältiger ärztlicher Beratung, auf Grundlage realistischer Erwartungen und mit einer klaren medizinischen Verantwortung. Fachärzte für Plastisch-Ästhetische Chirurgie beraten individuell, klären über Möglichkeiten und Grenzen auf und lehnen Behandlungen ab, wenn sie medizinisch nicht sinnvoll oder psychologisch problematisch erscheinen.
Looksmaxxing sollte daher nicht als Anleitung zur Selbstoptimierung verstanden werden, sondern als Anlass, kritisch über Schönheitsideale, den Einfluss sozialer Medien und einen verantwortungsvollen Umgang mit ästhetischen Behandlungen zu sprechen. Denn Sicherheit entsteht nicht durch Internettrends, sondern durch wissenschaftliche Erkenntnisse, ärztliche Kompetenz und eine realistische Vorstellung davon, was Schönheit tatsächlich bedeutet.
Trend oder Mythos? Looksmaxxing-Hacks kurz erklärt
Mewing – kein belastbarer Nachweis. Dabei soll durch eine bestimmte Zungenposition der Kiefer dauerhaft geformt werden. Bei Erwachsenen gibt es bislang keine wissenschaftlichen Belege, dass sich dadurch die Gesichtsform verändert.
Bonesmashing – gefährlich. Durch gezielte Schläge auf Gesichtsknochen sollen diese angeblich neu wachsen. Medizinisch ist diese Methode vollkommen unbegründet. Stattdessen drohen Prellungen, Gesichtsfrakturen, Nervenschäden und bleibende Fehlstellungen.
Jaw Trainer (Kiefertrainer) – mit Vorsicht zu betrachten. Das Training der Kaumuskulatur kann diese zwar kräftigen und dadurch die untere Gesichtshälfte maskuliner erscheinen lassen, verändert jedoch nicht die knöcherne Gesichtsstruktur. Übermäßiges Training kann zudem zu Kiefergelenksbeschwerden, Muskelverspannungen und Zahnschäden führen.
Face Taping – allenfalls kurzfristiger Effekt, eher kontraproduktiv. Das nächtliche Abkleben bestimmter Gesichtspartien soll Falten reduzieren. Wissenschaftliche Belege für einen nachhaltigen Anti-Aging-Effekt fehlen. Im Gegenteil: Durch das wiederholte Straffen und Fixieren der Haut kann diese unnötig mechanisch belastet werden, ohne dass ein langfristiger Nutzen belegt ist.
Gua Sha und Gesichtsmassage – kann entspannend und abschwellend wirken. Massagen des Gesichts können kurzfristig Schwellungen reduzieren und zu einem frischeren Hautbild beitragen. Ursache ist vor allem die Anregung der Lymphdrainage und der Durchblutung. Wissenschaftliche Belege für eine dauerhafte Straffung, Gesichtsmodellierung oder Verlangsamung der Hautalterung liegen jedoch nicht vor.
Mund-Tape („Mouth Taping“) – nicht für jeden geeignet. Das nächtliche Verschließen des Mundes soll die Nasenatmung fördern. Menschen mit Schlafapnoe, Nasenatmungsstörungen oder anderen Atemproblemen sollten diese Methode keinesfalls ohne ärztliche Rücksprache anwenden.
Kollagenpräparate – begrenzte Evidenz. Einzelne Studien und Metaanalysen berichten über geringe positive Effekte auf Hautfeuchtigkeit und Hautelastizität. Die Aussagekraft der Daten ist jedoch eingeschränkt, da viele Studien klein, methodisch heterogen und häufig industriefinanziert sind. Für einen ausgeprägten oder langfristigen Anti-Aging-Effekt gibt es bislang keine belastbare Evidenz.
DIY-Filler oder Injektionen zu Hause – absolutes No-Go. Selbst durchgeführte Injektionen oder Behandlungen durch nicht qualifizierte Personen bergen erhebliche gesundheitliche Risiken. Neben unschönen oder asymmetrischen Ergebnissen drohen Infektionen, Gefäßverschlüsse, Gewebeuntergang (Nekrosen) und im schlimmsten Fall sogar eine Erblindung. Ästhetische Injektionen gehören ausschließlich in die Hände qualifizierter Fachärzte.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist Looksmaxxing?
Looksmaxxing (auch Lookmaxxing) beschreibt den Wunsch, das eigene Aussehen mit gezielten Maßnahmen maximal zu optimieren. Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern looks (Aussehen) und maxxing (Maximierung) zusammen und reicht von harmlosen Ansätzen wie Hautpflege und Ernährung bis zu invasiven oder gefährlichen Methoden.
Was ist der Unterschied zwischen Softmaxxing und Hardmaxxing?
Softmaxxing umfasst wenig invasive Maßnahmen wie Ernährung, Sport, Schlaf und Hautpflege. Hardmaxxing bezeichnet operative Eingriffe oder andere invasive Maßnahmen, die häufig ohne medizinische Indikation diskutiert werden und teilweise ohne wissenschaftliche Grundlage sind.
Ist Mewing wissenschaftlich belegt?
Nein. Beim Mewing soll durch eine bestimmte Zungenposition der Kiefer dauerhaft geformt werden. Bei Erwachsenen gibt es bislang keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass sich die Gesichtsform auf diese Weise verändern lässt.
Was ist Bonesmashing und warum ist es gefährlich?
Beim Bonesmashing sollen durch gezielte Schläge auf die Gesichtsknochen deren Form verändert werden. Für diese Methode gibt es keine medizinische Grundlage. Es drohen Prellungen, Gesichtsfrakturen, Nervenschäden und bleibende Fehlstellungen.
Ist Looksmaxxing gefährlich?
Der Wunsch nach einem gepflegten Äußeren ist unproblematisch. Gefährlich wird Looksmaxxing dort, wo invasive Selbstexperimente, nicht zugelassene Substanzen oder unrealistische Schönheitsideale gesundheitliche Risiken verursachen oder ärztliche Expertise ersetzen sollen. Ästhetische Eingriffe gehören ausschließlich in fachärztliche Hände.
Diese Kolumne gibt die Einschätzung der Autorin/des Autors wieder und dient der allgemeinen Information. Sie ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung.
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC); allgemeine fachliche Einordnung zu Looksmaxxing-Methoden und körperdysmorpher Störung.
Foto: ©Amosaro

